IE-Bachelor: “Hoch die Internationale Entwicklung”
Am 15. Dezember 2011 fanden in Wien Studierendenproteste gegen die geplante Abschaffung des Bachelors des Studienganges Internationale Entwicklung statt. Das Studium soll unter dem Vorwand finanzieller Mängel der Universität Wien in den nächsten Semestern quasi abgeschafft werden. Das trotz der Tatsache, dass das diese Studienrichtung die wenigsten finanziellen Ressourcen benötigt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass das Studium aufgrund seiner transdisziplinären, sozialkritischen Ausrichtung als nicht system-konform betrachtet wird. Das Studium setzt seinen Schwerpunkt auf kritische Reflexion globaler Ungleichheitsverhältnisse, d.h. Kritik am global-okönomischen und -politischen status quo, Kritik an Imperialismus, Neo-Kolonialismus und wirtschaftliche Ausbeutung sg. Schwellen- und Dritte-Welt-Länder. Die Analysen des Studiums Internationale Entwicklung sollen letztlich dazu beitragen, vorherrschende Verhältnisse (d.h. die herrschende Ideologie als Ideologie der herrschenden Klasse) zu hinterfragen und mit wissenschaftlicher Argumentation aufzulösen.
Rund 800 Personen, davon die überwiegende Mehrzahl an Studierenden der Internationalen Entwicklung nahmen an den lautstarken Protesten teil, um gegen die Abschaffung des Studiengangs zu protestieren. Der Demonstrationszug ging vom Uni Campus zum Wissenschaftsministerium und schließlich zur Universität Wien, wo allerdings erfolglos versucht wurde, das Rektorat zu stürmen. Tatsächlich ist die IE einzigartig im deutschsprachigen Raum, denn mehr als 600 Menschen nahmen im Wintersemester 2011 das Studium der IE auf – das IE-Studium muss also alleine aufgrund der großen Nachfrage und des regen Zuspruchs der Studierenden an der Kritik von global-politischen und -ökonomischen Verhältnissen als relevant anerkannt werden. Ein Aushungern der IE würde einmal mehr die Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit der österreichischen Politik und Gesellschaft aufzeigen. Dagegen wehren sich die Studierenden der Universitäten in Wien. Sprechchöre wie “Hoch die Internationale Entwicklung” hunderter engagierter Studierender beweisen, gerade in Zeiten der global-ökonomischen, -politischen und -sozialen Krisen einmal mehr die Notwendigkeit kritischer Reflexionen und Analysen eben jener Krisen.
dj, 2011
