Besser kein Speck als “Gailtaler Speck”
Eine unangenehme, aber logische Folge der kapitalistischen Inbesitznahme des Allgemeingutes der Sprache lässt sich derzeit in Hermagor beobachten: Albert Jank, Obmann des Vereins “Gailtaler Speck”, verklagte die Waidegger Landwirtin Scheiber auf 9800 Euro, weil auf ihrer Homepage stand, “dass wir Lebensmittel erzeugen: wie Brot, Topfen und Gailtaler Speck.” Frau Scheiber, die selbst Mitglied des Vereins “Gailtaler Speck” war, vergaß nach ihrem Austritt aus dem Verein, die Formulierung der geschützten Bezeichnung “Gailtaler Speck” von ihrer Homepage zu entfernen. Albert Jank sieht darin eine Markenschutzverletzung und ging darum ohne Vorwarnung gegen die Waidegger Landwirtin vor. In einem Interview mit der Kleinen Zeitung meint er diesbezüglich lediglich: “Da war keine Warnung angebracht.”
Der Tenor der Reaktionen der Bevölkerung ist eindeutig: neben Sympathiebekundungen für die benachteiligte Landwirtin und Meinungsäußerungen zur Irrsinnigkeit, geographische Bezeichnungen markenrechtlich schützen zu wollen, kommt es, offenbar aus Insiderkreisen, auch zu Kritik gegenüber den Produkten des Vereins “Gailtaler Speck” selbst. So schreibt ein User: “Wenn es nach der Bezeichnung bzw. Korrektheit geht, dürfte ca. 80 Prozent der am Speckfest verkauften Ware nicht als ‘Gailtaler Speck’ bezeichnet werden. Eher Holländischer oder Polnischer Speck.” Ein anderer User der Onlineausgabe der Kleinen Zeitung schreibt: “Soviel Gailtalerspeck wie diese anbieten, kann im Gailtal gar nicht erzeugt werden. Beim Speckfest wird auch anderer Speck als Gailtaler verkauft. Das ist eine Gaunerei.” Diese Reaktionen zielen vor allem auf Jank’s Aussage zu den Richtlinien des “Gailtaler Specks”. Dieser darf nur so genannt werden, “wo von der Geburt des Ferkels bis zur Schlachtung alle wesentlichen Details im Gailtal durchgeführt wurden (…)”
Ob sich nun diese neoliberal geprägte Angriffslust seitens des Vereins “Gailtaler Speck” bezahlt machen wird, bleibt zu bezweifeln: nach Bekanntwerden der Nachricht hat eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Menschen den Boykott gegen den “Gailtaler Speck” und seinen gewinnmaximierenden Bossen beschlossen. Albert Jank hat in dieser Causa freilich übersehen: auch die KonsumentInnen haben Macht. Und ich schließe mich dem allgemeinen Tenor an: Besser kein Speck als “Gailtaler Speck”!
dj, 2012

Schwachsinn deine Feststellung keine Ahnung von Markenschutz
Nisch
Januar 24, 2012 um 10:11 pm
Hallo!
Die Vermarktung des Gailtales, egal ob Berg, Schnee, Wasser, Luft, Speck und Käse nimmt immer groteskere Formen an. Bald wird auch die Aussage “ich bin ein Gailtaler” dem Markenschutz unterliegen und jeder der dies von sich sagt, muss Gebühren zahlen.
Gruss schlagloch.
schlagloch
Januar 26, 2012 um 4:05 pm