Archiv für die Kategorie ‘mischkunst.at: Theater, Film und Medien’
newAustria – Ausgabe April 2012
“Mittlerweile hat die Arbeiterbewegung doch alles erreicht”
Das Standard-Interview mit dem ÖVP-nahen Industrievertreter Christoph Neumayer hat erneut die grundsätzliche Ignoranz der “Oberen 10.000″ gegenüber den Anliegen der Lohnabhängigen und Arbeitslosen bewiesen. Die KJÖ Steiermark “unterstützte” am Tag der Arbeitslosen die Reichen in ihren Forderungen.
Graz/Wien. Die Aussage Neumayers im “Standard” vom Vortag des 1. Mai, nach der “die Arbeiterbewegung doch schon alles erreicht habe” und man sich nun wieder einmal um die Anliegen der Bosse kümmern solle, rührt halb Österreich zu Tränen. Auch die Kommunistische Jugend hatte sich darum am “Tag der Arbeitslosen” in Graz zu einem Stelldichein der Reichen begeben, “um endlich Klartext zu reden”.
Dieser “Klartext” liest sich in etwa so: “Preise rauf! Löhne runter!”, “0,0% Reichensteuer!” oder “Reichtum muss sich wieder lohnen!” Auch in Deutschland lautet die Mailosung 2012: “Ho-Ho-Hochfinanz!”. Die Tageszeitung junge Welt etwa fordert für die Zukunft “keinen Krieg mehr ohne Beteiligung deutscher Waffen und deutscher Soldaten!”
An der Umsetzung dieser Forderungen wird – freilich unter harmloser klingenden Begriffen wie “notwendige Reform”, “Schuldenabbauprogramm” oder “Friedenseinsatz” – tatsächlich emsigst gearbeitet. Genauso an der Unterstützung für die Bosse, weil doch die ArbeiterInnen bereits alles erreicht haben. “Für unser aller Wohl”.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Rotes Kreuz: Betriebsrat ade?
Landesverband Steiermark will regionale Betriebsratkörperschaften der Rote-Kreuz-Bezirksstellen auflösen. Betriebsräte klagen mit Unterstützung von vida.
Graz. “Wo kämen wir denn da hin, wenn es in Zeiten von Wirtschaftskrisen starke Interessensvertretungen für die ArbeiterInnen gibt?”, fragt man sich in der KJÖ-Steiermark – denn der Landesverband Steiermark will das ArbeiterInnenvertretungsorgan des Roten Kreuzes massiv einschrumpfen. Das hätte laut Zentralbetriebsrat Günter Wutti die unangenehme Folge, dass im Falle der Einsparung statt 60 BetriebsrätInnen nur noch 14 für die Anliegen der rund 1.300 Beschäftigten zuständig wären. Der Fall wird nun vor Gericht behandelt, Ergebnisse stehen noch aus.
Auch der Betriebsratsvorsitzende des Vereins “Jugend am Werk” wurde kurzerhand abgesägt, weil er die “Plattform 25″ und damit den Kampf gegen den Sozialabbau unterstützte. Die KJÖ-Steiermark kritisiert diese Beispiele für zunehmende Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich als exemplarisch “für die vielen Verschärfungen und Angriffe gegen die Vertretungsorgane der arbeitenden Menschen in Österreich” und fordert gerechte Verhältnisse für ArbeitnehmerInnen.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
PiratInnen weiter im Vormarsch
Die deutsche Piratenpartei hat ein neues Oberhaupt: Bernd Schlömer wurde am 29. April 2012 mit 2/3 der Stimmen des Parteitages zum neuen Chef gewählt.
Deutschland. Während sich die österreichische Piraten-Bewegung erst im Frühstadium ihres politischen Erfolgs befindet – aktuell würden sechs Prozent der ÖsterreicherInnen die Piratenpartei wählen – besetzen die Shooting-Stars der deutschen Politik bereits 19 Sitze im Berliner bzw. Saarländischen Landtag, Tendenz steigend.
Am jüngsten Parteitag im schleswig-holsteinischen Neumünster wurde ein deutliches Zeichen gegen rechte Tendenzen in der eigenen Partei gesetzt. Den Holocaust “unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu leugnen oder zu relativieren, widerspricht den Grundsätzen unserer Partei”, heißt es in einer Resolution, die ohne Gegenstimmen verabschiedet wurde.
Dass die PiratInnen vor allem die hohe Anzahl an Protest- und NichtwählerInnenstimmen abgreifen, ist im gleichen Maße offensichtlich wie die Unschärfe des politischen Profils. Darüber ist sich auch der neugewählte Parteichef Bernd Schlömer im Klaren, der nun als Integrationsfigur die Aufgabe übernommen hat, die unterschiedlichen Strömungen der Piratenpartei auszugleichen. In der Partei, in der er bereits 2009 Schatzmeister wurde, ist Schlömer beliebt und gilt als bewährter Problemlöser.
Vielfach kritisiert wird die PiratInnen-Bewegung als inhaltslose Partei und “mutmaßliches Establishment von Morgen”, als Geschäfts-Mannschaft, “die einen untrüglichen Riecher für Chancen hat und darauf aus ist, ihre Schäfchen alsbald ins Trockene zu bringen” (analyse&kritik) Dabei spiele sie heute lediglich die Opposition von Gnaden der Herrschenden: “Hauptsache neu, Hauptsache sensationell, der Inhalt ist Nebensache und letztlich auch gar nicht erwünscht.” (Leo Furtlehner, KPÖ)
Dass die PiratInnen nach den nächsten Wahlen 2013 im deutschen Bundestag bzw. österreichischen Nationalrat sitzen werden, ist so gut wie ausgemacht. Bis dahin will die Führungsriege das politische Profil auch geschärft und ausgebaut haben. In welche Richtung sich die Partei entwickeln wird, steht also noch offen. Mit der mehr als deutlichen Abgrenzung zum Rechtsextremismus ist jedenfalls ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Streit um Öffi-Tarifreform
Das grüne Wahlversprechen einer 100-Euro-Jahreskarte wurde nicht erreicht, die Partei erntet Kritik. Werner-Lobo wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Wien. Einerseits als “Grüner Verhandlungsfolg” gefeiert, andererseits als gebrochenes Wahlversprechen kritisiert: die Öffi-Tarifreform sieht zwar wesentliche Vergünstigungen für die Fahrgäste der Wiener Linien vor, das von den Grünen angepeilte Ziel einer 100-Euro-Jahreskarte konnte jedoch nicht annährend erreicht werden. Eine Jahreskarte der Wiener Linien, für die bis dato 449 Euro zu bezahlen war, wird ab Mai 2012 “nur noch” 365 Euro kosten.
Die Bezirksrätin der KPÖ-Landstraße Susanne Empacher will den “Grünen Erfolg” nicht unkritisiert lassen, denn “ein Einzelfahrschein der Wiener Linien wurde innerhalb der letzten 12 Jahre um sagenhafte 65 Prozent teurer”. Ein Nulltarif auf alle Öffis – eine zentrale Forderung der Kommunistischen Partei – würde hingegen “sowohl vom sozialen wie auch vom verkehrs- und umweltpolitischen Standpunkt aus Sinn machen.”
Kritik an der Tarifreform und dem gescheiterten Wahlziel will sich der grüne Kultur- und Wissenschaftssprecher Klaus Werner-Lobo nicht gefallen lassen: “Wir haben nichts versprochen, sondern Ziele. Die haben wir plakatiert und in Wahlprogramme geschrieben. Diese Ziele haben wir noch immer.” Die 365 Euro pro Jahreskarte seien “für eine 12-Prozent-Partei ein beachtlicher Erfolg im Vergleich zu den den geplanten 530 Euro.” Mit einem entsprechend starken Wahlergebnis bei der Gemeinderatswahl 2015 könne es zu weiteren Verbilligungen der Öffi-Tarife kommen, heißt es. Die KPÖ Wien sieht darin “Grüne Propaganda jenseits der Tatsachen”, die einzig durch weiteren Druck von links allmählich in die Nähe des von der KPÖ angestrebten Nulltarifs treten könne.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Töchterle als praktizierender ÖVP-Bildungspolitiker
Keine Steuer auf Einkommen ohne Leistung, dafür Gebühren auf Leistung ohne Einkommen: Die ÖVP-Bildungspolitik hat sich in der aktuellen Frage um die Finanzierung der österreichischen Hochschulen durchgesetzt. Studierende reagieren mit Protesten und Demonstrationen.
Wien. Nachdem die schwarz-rote Regierung die Entscheidung über die Einführung von Studiengebühren auf die Universitäten abgeschoben hatte, wurden mit dem Senatsbeschluss der Universität Wien am 26. April 2012 Studiengebühren in der Höhe von 363,36 Euro pro Semester festgelegt. Betroffen sind sogenannte “Langzeitstudierende” und Studierende aus Nicht-EU-Ländern. 300 Studierende blockierten aus Protest den Senatsaal der Universität, wo sie von der Polizei vertrieben wurden. Es folgten eine Blockade des Rings sowie eine Demonstration vor dem Wissenschaftsministerium und Parlament.
An der internationalen Spitze befindet sich die Universität Wien zur Zeit lediglich im Studierenden-Polizei-Verhältnis. Nicht alle Studierenden freuen sich über das massive Polizeiaufgebot in der Uni, denn es bestätigt lediglich die grundlegende Unbereitschaft des Rektorats bzw. Senats zum Dialog mit den Studierenden, die mehrheitlich gegen den Beschluss auftreten.
Die ÖH sieht Wissenschaftsminister Töchterle mittlerweile im Herzen der ÖVP-Bildungspolitik angekommen, die noch immer den Jahrzehnte alten Mythos stütze, “dass die Hochschulen ohne Studiengebühren nicht mehr finanzierbar wären.” Die Österreichischen HochschülerInnenschaften hat bereits angekündigt, Klagen gegen die Universitäten einbringen.
Auch Irini Tzaferis, Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wien, übt Kritik an der Entscheidung des Senats: “Freie Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft. Bildung muss allen Menschen zugänglich sein – unabhängig von deren Geschlecht, Herkunft oder sozialem Hintergrund.” Besorgt gibt sich auch der grüne Wissenschaftssprecher Werner-Lobo, der hinter dem Senatsbeschluss erst den Auftakt zur schrittweiten Ausweitung der Studiengebühren auf immer weitere Teile der StudentInnen sieht.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Wofür demonstrieren wir am 1. Mai?
Die traditionellen 1. Mai-Feiern haben einen kämpferischen Ursprung, der im Gegensatz zur heutigen eventokratischen Verwertung des “Tages der Arbeit” steht. Wofür der 1. Mai also wirklich steht und wofür die Bevölkerung an diesem Tag heute mehr denn je auf die Straße gehen sollte, lesen Sie hier.
Wir stehen für eine der Produktivitätsentwicklung angemessene Verkürzung der Regelarbeitszeit als Mittel gegen die wachsende Arbeitslosigkeit und gegen eine zunehmende Prekarisierung und Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung!
Das als notwendig propagierte Schuldenabbauprogramm verschärft die Demontage sozialer Errungenschaften. Die Rettungsmittel der für die Krise verantwortlichen Banken gehen dabei zu Lasten der Bevölkerung – darum fordern wir den Ausbau des Sozialstaates und die Vergesellschaftung der Banken!
KapitalistInnen eignen sich durch fehlende wirtschaftliche Regulierung ein Übermaß an gesellschaftlichen Reichtum an, während den Lohnabhängigen kaum genug zum Leben bleibt. Wir sprechen uns aus gegen unregulierte Finanzmärkte und für gerechte Verteilung!
Wenn Universitäten finanziell ausgehungert, Studienrichtungen wie die Internationale Entwicklung eingestellt und Studiengebühren (wieder-)eingeführt werden, wird damit an unser aller Zukunft gespart. Wir fordern die Ausfinanzierung der Universitäten und Bildung für alle!
Wir kämpfen gegen sexistische Rollenklischees in allen Lebensbereichen und gegen prekäre Arbeitsverhältnisse für Frauen! Wir kämpfen für Gleichberechtigung und gegen patriarchale Gesellschaftsverhältnisse!
In der Krise werden immer Schuldige gesucht – MigrantInnen müssen dafür als Sündenbock herhalten. Rechte Parteien wie die Strache-FPÖ lenken mit Rassismus von den wahren Problemen ab und spalten die Bevölkerung. Wir lehnen den fortdauernden Rassismus in der österreichischen Gesellschaft vehement ab.
Wir sagen Nein zum Krieg und zur Umweltzerstörung. Wir kämpfen gegen Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und die wiederholten Versuche der Regierung, InternetnutzerInnen zu kriminalisieren. Wir fordern eine gerechte, solidarische Gesellschaftsordnung!
Dafür brauchen wir den 1. Mai als internationalen Kampftag und als Auftakt für 364 weitere!
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
AUA: weitere soziale Rückschläge
Die AUA kämpft seit Jahren mit Verlusten, die geplanten Einsparungen treffen das Bordpersonal. Die Sozialistische Linkspartei kritisiert soziale Rückschläge und einseitige Maßnahmen zu Lasten der AUA-PilotInnen.
Wien. Mit dem versuchten Zwangsumstieg der Austrian Airlines zur billiger arbeitenden Tyrolean soll es für die Kunden zu keinen Veränderungen kommen. Von der Einsparungspolitik massiv betroffen ist jedoch das AUA-Bordpersonal, dessen Gehälter nun zusehends gekürzt werden sollen.
Die Lohnkürzungen und Aufwiegelung verschiedener Gruppen von ArbeitnehmerInnen interpretiert die Sozialistische Linkspartei als Auftakt für eine weitere Runde sozialer Rückschlage und kritisiert zudem die einseitige Einsparungspolitik: “Warum fällt kein Wort über die ManagerInnen, die Millionen-Prämien und Hunderttausende Euro pro Jahr für den Vorstandsvorsitzenden? Die Gehälter der PilotInnen sind nicht für die Krise verantwortlich, in der sich Flugbranche und AUA befinden.”
In der letzten Betriebsversammlung vom Dienstag, 24. April 2012, einigten sich der Betriebsrat Bord mit dem AUA-Vorstand auf den Grundsatz, nach dem das knapp 600-köpfige Flugpersonal mit einer einmaligen Abschlagszahlung abgefertigt werden solle, bevor es an einen einheitlicheren und billigeren Kollektivvertrag angepasst wird. Neben den Lohnkürzungen und fehlenden Inflationsausgleichen soll es für das Flugpersonal auch zu längeren Arbeitszeiten kommen.
Eine Abstimmung mit dem AUA-Bordpersonal findet in den nächsten Tagen statt. Das Personal steht dabei vor zwei Wahlmöglichkeiten, die jedoch beide eines gemeinsam haben: Kürzungen zu Lasten des Personals. Dabei einigt man sich nun entweder auf den Grundsatz zwischen Betriebsrat und AUA-Vorstand. Im anderen Fall hätte dies den schon beschlossenen Betriebsübergang auf Tyrolean zur Folge.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Aktion “Teuerung stoppen” in Graz
Unterschriftenaktion der KPÖ soll BürgerInnen auf Teuerung lebenswichtiger Ressourcen und zunehmenden Sozialabbau aufmerksam machen.
Graz. “Die Korruption in Österreich kostet Jahr für Jahr 25 Milliarden Euro. Für soziale Zwecke ist kein Geld da”. Die Wohnungsstadträtin Elke Kahr ruft darum zur Petition “Teuerung stoppen” auf, um auf die zunehmende Teuerung von lebenswichtigen Grundlagen wie Lebensmittel, Energie und Mobilität im Raum Graz aufmerksam zu machen. “Mit unserer Unterschriftenaktion ‘Teuerung stoppen’ schaffen wir die Möglichkeit, den Oberen zu zeigen, dass sie nicht in alle Ewigkeit machen können, was sie wollen”, so Klar.
Ins Fadenkreuz der Kritik geraten war Landeshauptmann Voves und Bürgermeister Nagl zuletzt v.a. aufgrund der Teuerung bei kommunalen Abgaben betreffend Kanal, Müllabfuhr und Wasser, die höher als die offizielle Inflationsrate angesetzt war. Die KPÖ Graz appelliert mit der Unterschriftenaktion, die auch online durchgeführt werden kann, an den Gemeinderat. Dieser sollte nun “den verantwortungsbewussten Umgang mit der Daseinsvorsorge gewährleisten, statt den Anstieg der Armut zu fördern”.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Erneute Wehrdienstverweigerungen in Israel
Die israelische Wehrdienstverweigerin Noam Gur wurde zu zehn Tagen Gefängnisstrafe verurteilt. Israel annektiert unrechtmäßige Siedlungen auf palästinensischem Boden.
Israel. “Ich weigere mich, Teil einer Armee zu sein, die seit ihrer Gründung eine andere Nation dominiert, die in Plünderungen verwickelt ist und eine Zivilbevölkerung terrorisiert, die unter ihrer Kontrolle ist.” Mit diesen Worten begründete die 18-jährige israelische Aktivistin Noam Gur am 16. April 2012 die Verweigerung ihres Militärdienstes in den Israelischen Streitkräften. Sie wurde hierfür zu 10 Tagen Gefängnisstrafe verurteilt. Während es um das Jahr 2000 – mit dem Beginn der Zweiten Intifada – zu einer großen Bewegung an israelischen WehrdienstverweigerInnen gekommen war, lassen sich heute wieder vermehrt junge Menschen kritiklos auf den Militärdienst ein.
Indes scheint die israelische Regierung alles daran zu setzen, Noam Gur’s Weigerungsbegründung zu bestätigen: das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu meldete am Dienstag, die illegalen, sich auf palästinensischem Land befindlichen israelischen Siedlungen Bruchin, Rechelim und Sansana rückwirkend zu annektieren. Die israelische Siedlungspolitik gilt als das Haupthindernis für Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Frankreich gibt Amtsinhaber Sarkozy den Korb
Erfolge für die Linke, Wahlschlappe für Sarkozy. Der Wahlkampf für den zweiten Durchgang am 6. Mai hat begonnen – nun wird um die Gunst der WählerInnen von den ausgeschiedenen Parteien gebuhlt.
Frankreich. Die erste Etappe der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist geschlagen: Francois Hollande von der Sozialistischen Partei konnte im ersten Durchgang 28,63 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich gewinnen. Das sind immerhin 1,5 Prozent mehr Stimmen als für Amtsinhaber Sarkozy – der damit eine klare Wahlschlappe einfährt. Beachtlich sind die Erfolge des Linksblocks “Front de Gauche” mit dem Kandidaten Jean-Luc Melenchon, der 11,1 Prozent der Stimmen für sich gewinnen konnte – die KPÖ gratulierte nach Bekanntwerden des Ergebnisses der französischen Linksfront: “Nicht nur das Resultat, sondern die ganze Kampagne mit ihrer Anziehungskraft einer selbstbewussten neuen Linken ist in höchstem Maße ermutigend für uns alle”, so Bundessprecher Mirko Messner.
Pierre Laurent von der Kommunistischen Partei Frankreichs meint zu dem erfreulichen Etappensieg: “Der Kampfgeist, der mutige und entschlossene Geist der Linken ist zurückgekehrt.” Dabei sei jedoch die Gefahr von rechts nicht zu unterschätzen: “Die xenophobe und rassistische Ideologie von Le Pen zu bekämpfen ist ein brennendes Problem.”
Der hohe Zuspruch für die rechtsextreme FN-Präsidentschaftskandidatn Marine Le Pen (17,9 Prozent) gibt berechtigterweise zu denken – nicht zuletzt darum, weil die Front National-Wählerinnen nun das Reservebecken für Sarkozy im zweiten Wahlgang sein sollen. Der zweite Termin ist auf den 6. Mai festgelegt. Bis dahin geht der Kampf zwischen dem konservativen Sarkozy und Hollande um die Gunst der WählerInnen weiter. Linksfront-Kandidat Melenchon sowie die französischen Grünen sichern dem Sozialisten Hollande ihre volle Unterstützung zu – die Spannung um das Endergebnis bleibt.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Steirisches “Glücksspiel” im Fadenkreuz
Eine langjährige grüne Forderung wurde in Wien im September 2011 beschlossen und wird Anfang 2015 in Kraft treten: die Zurückdrängung des Glücksspiels. Nun kämpft man auch in der Steiermark für das “Game Over” des sogenannten “Kleinen Glücksspiels”.
Graz. 80.000 direkt oder indirekt von Spielsucht betroffene Menschen gibt es in der Steiermark. Geht es nach der steirischen ÖVP, soll die unregulierte Geschäftemacherei mit der Spielsucht weitergehen. Die SPÖ positioniert sich zwar für den Ausstieg aus dem Automatenspiel, bisher mangelte es jedoch am tatsächlichen politischen Willen, diesbezüglich Fortschritte zu erzielen. KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler kritisiert die zu langsame Entwicklung: “Jeden Tag werden Existenzen vernichtet, weil sich manche Politikerinnen und Politiker nicht zu einer klaren Haltung durchringen können. Wir fordern die SPÖ auf, den Glücksspielkonzernen endlich die Freundschaft aufzukündigen und im Interesse der betroffenen Familien zu handeln!”
Während SPÖ und Sozialistische Jugend die Installierung eines Unter-Ausschusses im steirischen Landtag als Grundlage für eine parlamentarische Auseinandersetzung mit dem Thema feiern, kritisiert die KPÖ die ausgesetzte Abstimmung zu eingebrachten Anträgen, die das Ende des “Kleinen Glücksspiels” vorsehen. Die steirische KPÖ fordert darum die SPÖ erneut auf, “zu ihrem Beschluss zu stehen und der Spielsucht in der Steiermark den Kampf anzusagen.” Ob die Steiermark tatsächlich dem Beispiel Wiens folgen wird, ist noch unklar. Richtig positioniert haben sich SPÖ und SJ bereits – nun hängt es von deren politischen Willen ab, ihre Positionen auch durchzusetzen.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Audimarxismus flammte erneut auf
Der größte Hörsaal der Universität Wien wurde im April 2012 erneut besetzt. Das Rektorat reagierte mit aller Härte gegen die Anliegen der Studierenden und fördert damit Unmut.
Im Zuge der Aktionswoche IE wurde am Vormittag des 19. April zunächst das Rektorat, später auch das Audimax der Uni Wien besetzt. Die Aktionswoche stand im Zeichen der Proteste gegen die geplante Abschaffung des Bachelor-Studiums der Internationalen Entwicklung,die strittige Studieneingangs- und Orientierungsphase sowie die geplante Einführung von Studiengebühren.
Das ÖH-Vorsitzteam, dem auch Julia Krauss vom Kommunistischen Studentenverband Lili angehört, solidarisierte sich umgehend mit den protestierenden Studierenden und verteidigte die Besetzung: “Alle bisherigen Gespräche und friedlichen Proteste wurden von der Uni-Leitung ignoriert.” Kritisiert wird von der ÖH-Leitung unter anderem, “dass so weitreichende Entscheidungen, wie das Ende einer Studienrichtung, ohne die ausreichende Mitsprache der tatsächlich direkt Betroffenen beschlossen werden können.” Als ein Grund für die geplante Abschaffung der IE gilt nicht zuletzt der kapitalismuskritische Charakter des Faches.
Die Pressekonferenz des Rektorats am 20. April war jedoch eine Enttäuschung: der prekären Situation der Studierenden wurde kein Verständnis entgegengebracht. Angesichts der gewaltvollen Räumungen des Rektorats sowie des Audimax durch WEGA und Polizei sowie die Unterdrückung der Berichterstattung aus dem besetzten Audimax kann hingegen eine Tendenz zur Kriminalisierung legitimer Protestaktivitäten festgehalten werden. Den lahmgelegten Lehrbetrieb auch nach dem Ende der Besetzung verstanden auch Studierende, die nicht an den Protesten teilnahmen, als aus dem Rektorat angeordnete Kollektivstrafe.
Verschiedene Organisationen und Arbeitskreise rufen indes zu verstärkten Protestaktivitäten auf: “Die aktuellen Proteste waren erst der Startschuss”, heißt es etwa in einer Stellungnahme der Linkswende. Dass die gewaltvolle Konfliktlösung seitens des Rektorats die Proteste der Studierenden früher oder später nur verschärfen können wird, hat Rektor Engl offenbar nicht berücksichtigt – seine Einladungen zu einem Dialog zwischen Rektorat und Studierenden wird in Protestkreisen als Farce bewertet.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
Dr.-Karl-Lueger-Ring: Antisemitisches Relikt vor dem Aus
Der bekannteste “braune Fleck” Wiens soll Geschichte werden. Rechtsextreme wüten über die geplante Umbennenung des Dr.-Karl-Lueger-Rings.
Wien. Vor dem Aus steht nun zumindest eines der zahlreichen antisemitischen Relikte in Wien: der Dr.-Karl- Lueger-Ring, der nach dem berüchtigten antisemitischen und wissenschaftsfeindlichen Wiener Bürgermeister benannt ist, soll nun nach einem Beschluss der rot-grünen Stadtregierung umbenannt werden – die aktuelle Bezeichnung soll in absehbarer Zeit dem “Universitätsring” weichen.
Die Reaktionen der politischen Großparteien auf die geplante Änderung waren voraussehbar: während SPÖ, Grüne sowie die ÖH-Leitung und IKG die Umbenennung begrüßen, schäumen die kapitalistischen und offen rechtsextremen Politiker der ÖVP und FPÖ vor Wut. Zahntechniker und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache lässt sich die Gelegenheit nicht nehmen, den Judenhasser Karl Lueger als “herausragenden Bürgermeister” zu würdigen und Rot-Grün “linken Gesinnungsterror” vorzuwerfen.
Vorsichtig bedeckt hält sich hingegen die KPÖ. In einer Aussendung würdigt der Landessprecher der Wiener KPÖ Didi Zach die rot-grüne Initiative, stellt jedoch die berechtigte Frage, “warum die SPÖ von 1945 bis heute gebraucht hat, um so einen Schritt zu setzen.”
Die ersten neuen Bezeichnungstafeln sollen Anfang Oktober dieses Jahres enthüllt werden. Dem Antisemiten und Wissenschaftsfeind wird indes an vielen anderen Orten in Wien gehuldigt: etwa mit der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche oder mit weiteren Lueger-Denkmälern und -Gedenktafeln, die von der Umbenennung vorerst jedoch nicht betroffen sein sollen – Wiens Grüne fordern allerdings auch eine Umgestaltung des Lueger-Denkmals beim Stubentor.
dj, newAustria-Ausgabe April 2012
“Todes-Voyeurismus” vs. antifaschistische Sensibilisierung: Fateless
Wenn ein Film offensichtlich darauf abzielt, die schrecklichen Eindrücke des Holocaust visuell zu vermitteln, ist dieser eigentlich apriorisch zum Scheitern verurteilt. Auch der auf einer Vorlage von Imre Kertesz beruhende und 2004 produzierte Film “Fateless” erinnert zunächst stark an Hollywood-KZ-Ästhetik und “Holocaust-Horror” um des Horrors willen. Und tatsächlich mischen sich viele abgedroschene Klischees in die ansonst durchaus imposant anmutende Folge von Sequenzen aus dem schrecklichen Alltagsleben bzw. -sterben der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Doch insgesamt rechtfertigt sich die visuell an Hollywood angelehnte Darstellung der Shoa in letzter Instanz zumindest zum Teil durch die gegen Ende des Films thematisierte Sensibilisierung des Publikums auf den Umgang mit den Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungsindustrie. Zum anderen, letztlich jedoch überwiegenden Teil konterkariert sich der Film durch die Frage der Darstellungskraft des Holocaust selbst.
Vor dem Hintergrund der Frage des Überlebens wird der Film erzählt aus der Perspektive des 14-jährigen jüdischen Ungars György Koves (überzeugend gespielt von Marcell Nagy) der im Konzentrationslager bereits den Tod ins Auge blickt und es nur auf allzu wundersame Weise schafft, bis zur Befreiung des Konzentrationslagers durch die US-Armee zu überleben. Das Trauma und die Unmöglichkeit des Überlebenden György Koves, nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Budapest die Schrecken des Holocaust in Worte zu fassen und somit begreifbar erscheinen zu lassen einerseits, sowie andererseits die Neigung des Films zu einer Art “Todes-Voyeurismus” scheinen letztlich jedoch widersprüchlich. Die deprimierende Lage, die Millionen von überlebenden Opfern des Nationalsozialismus nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat erleben mussten, wird hier nichtsdestotrotz – wenn auch in einem stark simplifizierten Rahmen – einfühlsam dargestellt.
dj, 2012
Geschichtliches Gedankenexperiment: “Mein Kampf” von Urs Odermatt
Kritik zu “Mein Kampf”, Urs Odermatt, 2009-2011
Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive ist Urs Odermatt’s Verfilmung von “Mein Kampf” (eine Adaption des gleichnamigen Theaterstückes von George Tabori) zwar eine einzige Katastrophe. Aber das als Groteske konzipierte Stück, in dem der zart wirkende Tom Schilling mutigerweise die Rolle von Adolf Hitler übernimmt, überzeugt als Gedankenexperiment an der Figur Hitler und den ihr anhaftenden Mythen. Der absurd anmutende Schlomo-Hitler-Komplex, in dem zwei als Gegensatz bekannte Figuren als familiär wirkende Einheit präsentiert werden, ist zum Klassiker in Theater und Film geworden. Die angesichts der Shoa auftretende Schwierigkeit einer humanistischen Darstellung des jungen, (noch) unbescholtenen Hitlers verknüpft sich mit der in der Handlung eingesetzten Funktion eines Juden als Ziehvater des “Monsters Hitler” zu einer surrealen Farce, die im Publikum durchaus ein Gefühl von Unbehagen hervorrufen kann. Tom Schilling, der seine Rolle bis zur Grenze der offenbar intentonierten Peinlichkeit spielt und damit den satirischen Charakter der Verfilmung von “Mein Kampf” in interessanter und gekonnter Weise unterstreicht, trifft auf einen schauspielerisch brillierenden Götz George in der Rolle des gutmütigen Schlomo Herzl, der sich väterlich um den verarmten, erfolglosen Hitler kümmert. Gleichwohl die Rolle des Gretchens aufgrund des auf Stereotypen aufbauenden Frauenbildes inhaltlich zu kritisieren sein mag (die Frau als Symbol und Grund der ausbrechenden Feindlichkeiten zwischen Männern, also die Frau als “trennendes Element”) so spielt Anna Unterberger diese Rolle nichtdestotrotz sehr lebendig und humorvoll.
Odermatt’s Verfilmung wird bestimmt nicht jedermanns/jederfraus Sache sein, zumal das Werk als satirischer Geschichtsdiskurs ein gewisses Verständnis und eine nötige Sensibilität in Bezug auf die Verbrechen des Faschismus voraussetzt, um das subtile Augenzwinkern von “Mein Kampf” nicht womöglich in den falschen Hals zu bekommen. Ist man außerdem mit Offenheit für unkonventionelle “geschichtliche Gedankenexperimente” gewappnet, so ist der Film (wie auch das Theaterstück) “Mein Kampf” Pflicht und garantiert eine filmisch und inhaltlich kreative Auseinandersetzung mit dem Aufstieg Hitlers.
dj, 2012
Zu: Peter Pan im Burgtheater
Ich könnte meine Kritik zur Burgtheater-Inszenierung von Peter Pan kurz halten und es lediglich bei einem “grandios” belassen. Sicher ist, die Inszenierung des Kinder- und Jugendstücks ist ein wahres Theater-Highlight – klarerweise, ohne auf interessante Theater-Aspekte auch für Erwachsene zu vergessen. Schließlich liegt doch der Schwerpunkt des Stoffes auf den Konflikten, die durch das Altern und Erwachsenwerden zwangsmäßig auftreten: Verantwortung, eine sicherlich hart zu bewältigende Gefühlswelt, der allmähliche körperliche Verfall usw. Markus Meyer, der den Protagonisten des Stücks verkörpert, pfeift hingegen auf das Altern und entzieht sich im Nimmerland mit seinen FreundInnen dem Prozess des Erwachsenwerdens. Als erwachsen gilt man ab zwei, meint er; wenn man zwei Jahre alt wird, sei das der Anfang vom Ende. Erwachsensein lehnen Peter Pan und seine aufgedrehten FreundInnen strikt ab. Nachdem er und seine Begleiterin, die holländisch-schimpfende und eifersüchtige Fee Tinkerbell (grandios: Mavie Hörbiger) die beiden Geschwister Wendy und Michael auf eine Reise in das Nimmerland eingeladen haben, wird den Geschwistern Darling alsbald klar, dass die Ablehnung von geistiger und moralischer Entwicklung sehr wohl amüsant und lustig sein mag, aber auf Dauer sicherlich nicht die aufregendste und lehrreichste Variante der Lebensführung sein kann.
Esmee Liliane Amaut, die als in Peter Pan verliebte Wendy Darling absolut überzeugt, wirft eben diesem vor, die positiven Aspekte des Erwachsenseins auszublenden: etwa immer dann, wenn sie vergeblich von ihm hören möchte, er hätte Gefühle für sie. Oder wenn allmählich klar wird, dass man nur im steten Wandel, in der steten Weiterentwicklung – also auch im Erwachsenwerden – frei sein bzw. werden kann. Den meisten Applaus bekam jedoch zurecht Dietmar König in der Rolle des patschert-gehässigen Käpt’n Hooks, der es ausschließlich auf Kinder abgesehen hat. Selbstverständlich führt seine offen zur Schau getragene Antipathie gegen Kinder zu amüsanten Zwischen- und Buhrufen des jungen Burgtheater-Publikums. Die Regisseurin Annette Raffalt schafft es, knapp 140 Minuten – und das ist für Kinder bestimmt keine kurze Spielzeit für ein Theaterstück – derart aufmüpfig und liebevoll zu inszenieren, dass der rege und laute Applaus am Ende des Stückes sicherlich keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die sympathischen SchauspielerInnen und das bezaubernde Bühnenbild, die zeitlose Story und die schaurig-schöne Musik sorgen für einen unvergesslichen Theaterabend und machen unmissverständlich aufmerksam auf den unverwechselbaren Zauber sowohl des Kind- als auch des Erwachsenseins – und allem, was nun so dazwischen liegen mag.
dj, 2011
mischkunst.at: Musik (2005-2010)
Man kann die Musik lieben, man kann sie benutzen, man kann sich in ihr verlieren, man will in sie eindringen, dann WILL man sich in ihr verlieren, man will die Musik sein und sie selbst ist nur der Fluch. Die Autonomie geht in der Musik verloren.
Die Geschichte von Projekt Furche in 30 Sekunden
Projekt Furche wurde 2005 von Daniel Jamritsch, Florian Finding und Patrick Oblasser gegründet. Nach der ersten Demo-Aufnahme und Konzerten mit Drumcomputer wurde Drummer Michael Podlipnig aufgenommen – kurz nach dessen Einstieg wurden viele lokale, erfolgreiche Konzerte sowie Aufnahmen absolviert (Love and Guts EP, 2007). 2008 kam es zur Trennung der Band, 2009 wurde das B-Seiten Album „Herzschmerz“ im Internet zum Download veröffentlicht.
„Projekt Furche (spielen laut eigenen Angaben Hermacore) – junge aufstrebende Musiker aus dem Gailtal, welche das oftmals selbst zu eng geschnallte Korsett des „Metal“ aufschnüren und durch verschiedenste Nuancen erweitern. Manche nennen diesen Sound „Acid Metal“ – aber was sind schon Worte zur Musik von Projekt Furche – waren Sieger bei einer Vorausscheidung zum Local Heroes Bewerb 2007.“ (Aktion Mutante)
Besetzung:
Vocals, FX: Florian Finding
Guitar, Programming: Daniel Jamritsch
Bass, Lyrics: Obi
Live Drums: Michael Podlipnig
Die Geschichte von White Torture in 20 Sekunden
White Torture is project of Daniel Jamritsch from Austria, who makes ambient noisecore since spring 2006. White Torture’s „unbearable“ noisecore is made with use of radios, cameras, keyboards, effectpedals and computer. The first full length release „Albtraum O.S.T.“ was released through Clinical Archives in 2007. In 2008 the inofficial release „Dystopia“ appeared online, while in 2010 the EP „Deranged Guitar Sounds“ was also released on the internet.
„As I woke up this morning from unsettling dreams, I found myself changed into a monstrous vermin.“ White Torture is side project Daniel Jamritsch from Austria, who makes ambient noisecore since spring 2006. „Albtraum O.S.T.“ – is the first release, with 50 minutes of „unbearable“ ambient-noisecore. Album has been made with use: radios, cameras, keyboards, effectpedals and computer. His main project is called „Projekt Furche“ (Industrial Metal).
Projekt Furche – Love and Guts Review (2008, www.music-discovery.de)
Dieses Release hat seine zwei Seiten. Einmal wäre da der Bereich, der eher an eine einfach gestrickte Thrash Metal Band erinnert, die einfach vor sich hin hämmert, aber trotzdem nette Songs hervorbringt, aber halt eher etwas scheppert und bestimmt auch Geschmackssache ist. Andererseits hätten wir dann da den Part, der so überhaupt nicht an Rammstein erinnern will. Allen voran der Song „Die Meerjungfrau“, der so extrem nach Rammstein klingt, dass es schon fast ein Song von denen sein könnte, aber dann trotzdem noch genug Eigenständigkeit besitzt, um nicht einfach als Klon abgestempelt zu werden. Klingt jetzt vielleicht etwas verwirrend, ist aber so. Wie dem auch sei, die beiden Songs „Die Meerjungfrau“ und „Zimtstern“ sind eher der lustige Bereich, der an Rammstein erinnert, während die anderen drei Songs dann eher rau und thrashig daher kommen. Ich sag nur „… ich hab‘ kein Glied und hab kein Loch, die Erregung spür ich doch…“
Sieger der Runde drei stehen fest (02.2008, Kleine Zeitung)
Aus Oberkärntner Sicht ist der Bandbewerb „Local Heroes“ vorbei. Zwei Gruppen wollten sich für das Semifinale qualifizieren. „Fallen White Flag“ konnten wegen einer Autopanne nicht teilnehmen. Und das „Projekt Furche“ schaffte es nicht. Nach ihrem Auftritt waren die Jungs von „Projekt Furche“ aus Hermagor so frustriert, dass sie das Lokal verließen. Im Mittelpunkt ihrer Show stand diesmal nicht das Lied „Meerjungfrau“. Dafür sorgte ein Plastikhuhn namens Ignaz für Furore. Allerdings nicht akustisch, sondern körperlich: Sänger Florian Finding schlug mit dem Hendl auf der Bühne auf Gitarrist Daniel Jamritsch ein. „Offensichtlich war einer von ihnen betrunken, es kam zum Streit“, sagt Bewerbs-Organisator Markus Suppanz.
Leise war gestern: Projekt Furche – Grenzgenial (05.2007, Gailtaler Monat, Bernhard Gitschtaler)
Sehr viele kennen „Projekt Furche“ schon, der Rest wird sie sicher noch kennen lernen. Beim österreichweiten Bandwettbewerb „Local Heroes“ konnten sie die Jury mit ihrer Musik und Performance überzeugen und kamen bis ins kärntenweite Finale. Wie die Band „Gods of Metal“ haben sie schon etliche Live-Auftritte hinter sich und vor allem außerhalb unseres Tales schon eine große Fangemeinde. Besonders bekannte und beliebte Songs sind ihre Version vom Kärntnerlied „In die Berg bin I gern“, „Meerjungfrau“ und „Die arme Erde“. Für Daniel Jamritsch, Gitarrist der Band, ist die Musik ideal um die eigene „Kreativität und innere Wut, die sich im Laufe eines (Schul)-Tages ansammelt“, auszuleben. Selten polarisiert eine Band so sehr wie „Projekt Furche“. Denn nicht jeder kann mit den sehr ungewöhnlichen Songs etwas anfangen. Wer aber einmal die Möglichkeit hatte die Vier live zu hören und trotz des gewöhnungsbedürftigen Mix unterschiedlichster Musikelemente, gepaart mit den eigenwilligen aber unverwechselbaren Gesang Florian Findings nicht gleich „kotzen“ musste, wird diese Band lieben. Im von Engstirnigkeit geprägten Zeitgeist unserer Gegend erhalten „Projekt Furche“ leider nicht immer die Anerkennung, die ihnen zusteht. Aber die Erfahrung lehrt uns, dass viele Künstler in ihrer Heimat geächtet und auf internationaler Bühne gefeiert werden. Möglicherweise steht den Vieren ein ähnliches Schicksal bevor. Alleine Musik wie die ihre zu machen ist schon mutig, diese dann noch zu veröffentlichen grenzt schon an Masochismus. Doch mit ihren lauten, kraftvollen Songs sprechen sie vielen jungen Menschen aus der Seele und ihr Erfolg gibt ihnen Recht. Wie auchimmer man zu der Musik steht, originell, einfallsreich und unverwechselbar sind die Vier auf jeden Fall. Florian Finding, Lead-Sänger und nebenbei noch als DJ aktiv: „Solange es Spaß macht, machen wir weiter. Wir haben noch einiges vor.“
Aktion Mutante – Soundclash 2007 Live Review (04.2007, www.mutante.de)
Die “Local Local Heroes” Projekt Furche durften den Soundclash 2007 eröffnen (das Drum’n‘Bass DJ-Intro nicht mit eingerechnet). Mit einer herben Mischung, die klingt wie Rammstein auf Todesmetal (schlagt mich jetzt nicht tot, aber das fiel mir als erstes zu euren Sound ein) kickten sie von der ersten Minute.
Krach von der Basis – White Torture – Albtraum O.S.T. Review (04.2007, www.feindesland.de, raphael)
Unser Magazin Feindesland.de hat sich seit seinem Bestehen, immer wieder der Künstler angenommen, die ihre Arbeiten als Eigenproduktion oder in Form eines Download im Internet zur Verfügung stellen, um den wahren bzw. echten Untergrund zu fördern. Mit dieser Rezension präsentieren wir Ihnen das Album „Albtraum O.S.T.“ des österreichischen Noisecore – Projektes White Torture, welches von Daniel Jamritsch im Frühjahr 2006 ins Leben gerufen wurde. In seiner Hauptband „Projekt Furche“ spielt der Soundakrobat Industrial Metal mit einer Horde von Musikverrückten, die wie mir scheint, sehr interessante Konzerte geben. Schauen Sie halt auf der heimischen Internetseite von „Projekt Furche“ vorbei, um sich selbst ein Bild davon zu machen. Inhaltlich beschäftigt sich Daniel Jamritsch auf seinem Debütwerk „Albtraum“ mit den Momenten, die einen Menschen schweißnass im Schlaf aufschrecken können. Für zart besaitete Personen kann das Nachdenken über diese Thematik nicht empfohlen werden, ansonsten besteht die Möglichkeit von schlaflosen Nächten. Der Soundartist bezeichnet seine Musik selbst als „ambienthafter Noisecore“. Meiner persönlichen Ansicht nach, bekommt die geneigte Hörerin bzw. der geneigte Hörer hier extremen bzw. „derben“ Noisecore geboten, welcher in keiner Sekunde in Berührung mit dem Begriff Ambient kommt. Daniel Jamritsch erstellte seinen „Krach“ mit den technischen Mitteln wie Radio, Kamera, Keyboard, Effektgerät und dem Computer. Die Hörerschaft, die strukturierte Abläufe in den zu hörenden Tondokumenten braucht, kann diese Veröffentlichung komplett von ihrer Wunschliste abstreichen. Hingegen Freunde der Geräuschwelten und der extremen Klänge wie Powerelectronics und Noise, sollten sich dieses Album „Albtraum O.S.T.“ kostenlos bei dem Medium Clinical Archives herunterladen und in vollen Zügen studieren. Dem Download liegt als Beilage ein komplett gestaltetes Artwork bei, welches den Reiz für die geneigte Konsumentenschaft erhöht. Fazit: Wer derbe und extre me Krachcollagen sein Eigen nennt, sollte sich diese Arbeit von Daniel Jamritschs Projekt „White Torture“ herunterladen. Hingegen die Hörerschaft der strukturierten Klänge sollte die Finger von diesem Release lassen, ansonsten könnte der Titel „Albtraum“ Realität werden. In Fachkreisen würde diese Art von Kunst als „Krach von der Basis“ betitelt bzw. eingestuft. Bewertung: Punkte (Innovation): 5 von 15 Punkte (Gesamt): 8 von 15
Projekt Furche @ Local Heroes 2006 Kärnten Finale Live Review (04.2007, www.enemy.at)
Noch zwei Bands, als Nächstes erklimmen Projekt Furche die Bühne des ((stereo)). Freakiger Sänger, freakiger Sound. Acid Metal, ein Novum für mich. Nichts für Leute mit leichtem Gemüt! Umso mehr sie gespielt haben, desto begeisterter das Publikum. Das Lied „Die Meerjungfrau“, das ich jedem schwer ans Herz legen kann, noch schnell dahin geschmettert und dann gab es technische Probleme. Leider ist das Zeitbudget aufgebraucht, wie der charismatische Sänger sagt, und somit sind sie pleite. Ein Schmunzeln vom Publikum zum Abschied für Projekt Furche.
Projekt Furche – Die Meerjungfrau Review (04.2007, www.besonic.com)
Der Song erinnert natürlich total an Rammstein, was sowohl an den Gitarren, als auch an dem Sänger liegt. Aber sehr, sehr gut gemacht. Ein ganz merkwürdiger Text über eine Meerjungfrau und Fischgesichter.
Projekt Furche finalisieren mit zwei neuen Songs (03.2007, Stephan Schild, www.kleinezeitung.at)
Die vier Musiker von Projekt Furche schafften wohl als größte Überraschung den Einzug ins Kärntenfinale des Bandwettbewerbes Local Heroes. Mit viel Kritik der Zuhörer und einem Jury-Entscheid schaffte es das Oberkärntner Projekt Furche ins Kärntenfinale des österreichweiten Bandbewerbs „Local Heroes“. Am Ostersonntag wollen die Bandmitglieder mit drei neuen Liedern im Klagenfurter Club ((stereo)) die Qualifikation für das Semifinale in Graz schaffen. „Wir studieren für das Finale in Klagenfurt die Lieder ‘Happy Deathday’, ‘Love And Guts’ und ‘Ich fahre Panzer’ ein“, erklärt Gitarrist Daniel Jamritsch (18) aus Hermagor. Den Rest der Band hat er in der Schule kennen gelernt. Denn die weiteren Mitglieder des Projektes Furche wohnen in Arnoldstein. Sänger Florian „Admin“ Finding besucht gleich wie Jamritsch das BORG in Hermagor, ebenso Bassist Patrick „Obi“ Oblasser . Michael „Bolzen“ Podlipnig geht in die HLW-Hermagor. Auch in der Freizeit bedeutet den Schülern die Schule viel. Geprobt wird seit dem Gründungsjahr 2005 nämlich in der Musikschule Hermagor. Man darf somit also auf Ostersonntag gespannt sein. Dann wird sich zeigen, ob sich das Strebertum gelohnt hat. Stephan Schild
Volksmusik im Rockstil (03.2007, www.kwoche.at)
Die vier Gailtaler Jungs von der Band „Projekt Furche“ versuchen beim Band-Wettbewerb „Kärnten rockt“ ihr Glück. Arnoldstein/Hermagor. Im November 2005 war die Geburtsstunde der Band Projekt Furche. „Ein ganzes Jahr lang spielten wir ausschließlich mit einem Drumcomputer, bis Michael Podlipnig unser Schlagzeuger wurde“, erzählt der Gitarrist Daniel Jamritsch aus Hermagor. Die Band setzt sich aus den beiden Burschen und Florian Finding (Vocals) aus Arnoldstein und Patrick Oblasser (Bass) aus Arnoldstein zusammen. „Wir lieben die Volksmusik und bringen manchmal auch gerne Texte von Heimatliedern in unsere Rock’n Roll Songs ein. So interpretieren wir beispielsweise Lieder, wie ,In die Berg bin i gern’ oder ,Wie schean sind die Gamslan’ auf unsere Weise“, so der 18-jährige Daniel Jamritsch. Die Band ist seit ihrem Bestehen bei „Rock die Wiese“, „Klangnacht Hermagor“ und „Kärnten rockt 06“ aufgetreten. Außerdem haben die Jungs bereits zwei CDs aufgenommen, die dritte ist in Arbeit. Hörproben und Informationen zur Band gibt’s auf: www.projekt-furche.at.tt.
Hermagorer Band qualifizierte sich als Lokalmatador (02.2007, Stephan Schild, www.kleinezeitung.at)
„Projekt Furche“ gewannen „Local Heroes“-Vorrunde. Freitagnacht ging in Marina Anna Virgolinis Klagenfurter Club ((stereo)) die dritte Vorrunde des österreichischen Bandbewerbs „Local Heroes“ über die Bühne. Fünf Bands aus Kärnten und eine aus Osttirol traten auf. Und jede der Gruppen hatte sich diesmal etwas Besonderes für die 15-minütige Spielzeit einfallen lassen. Damit hatte die Jury, die ihre Lieblingsband des Abends wählen musste, kein leichtes Spiel. Sie entschied sich für „Projekt Furche“ aus Hermagor, die nun für das Kärnten-Finale am Osterwochenende proben. Mit seiner coolen Art überzeugte Sänger Florian Finding. „Wir spielen jetzt eine Version von ,In die Berg bin i gern’“, meinte dieser zum Beispiel. Obwohl Coverversionen nicht zulässig sind, drückte die Jury diesmal ein lachendes Auge zu, zumal vom Heimatlied nichts mehr zu erkennen war. Die Bass-Saiten schlug dabei Patrick Oblasser, die der E-Gitarre Daniel Jamritsch und auf die Drums haute Michael Podlipnig. Sie haben der Mölltaler Band „Apriaca“, die am Freitag in zwei Wochen in der vierten und letzten Vorrunde antreten mit ihrer Qualifikation einiges vorgelegt. Vor allem mit dem Titel „Die Meerjungfrau“.
Was für eine Frechheit – empörter Local Heroes Zuseher (02.2007, www.kleinezeitung.at)
Local Heroes – ein Bandcontest, bei dem Talente gesucht werden? Ich glaube nicht. zum Jurysieger: Projekt Furche – man muss anscheinend verdammt miese Musik machen um die Jury zu überzeugen. Projekt Furche wurden ja angeblich wegen ihren innovativen Sounds gewählt. Innovativ war das sicher nicht. Das war einfach nur Mist (…) Ich dachte die Jury bewertet Bühnenperformance, Instrumentenkönnen und anderes. Aber beides war bei Projekt Furche wohl überhaupt nicht gegeben. Bühnenperformance ******** und instrumententechnisch unterste Schublade. Solche Riffs können Leute mit nur zwei Daumen spielen. (…) Zusammenfassung: Entscheidung eine totale Frechheit und die Jury hat anscheinend überhaupt keine Ahnung. Denn sonst hätte nie eine verdammt schlechte Band (das kann man bitte wirklich nicht bestreiten) wie die Furche gewinnen können.
Tiefes Niveau – empörter Local Heroes Zuseher (02.2007, www.kleinezeitung.at)
Ich weiß zwar nicht wer alles in der Jury ist, aber das grenzt ja schon an Verarschung. Projekt Furche gewinnen die Jury Bewertung. Ich war bis jetzt bei vielen dieser Veranstaltungen, aber dass so eine Band gewinnt lässt viele Fragen offen. Ich würde gerne mal wissen was man sich in die Nase pfeifen muss um Gefallen daran zu finden was die da abgezogen haben. Ich wäre dafür dass wir diese Band nach Wien ins Finale schicken, weil sie zu Fasching gute Chancen zu gewinnen hätten. Aber das Problem ist ja nicht die Band „Projekt Furche“ selbst, sie machen halt das wozu sie gerade Lust haben, und solange Sie zuhause in ihren vier Wänden bleiben, stellt das ja kein Problem dar. Das größere Übel ist da wohl die Jury! Wenn man bedenkt was für gute Bands nicht gewonnen haben im Laufe der ersten Vorrunden, ist das wirklich eine Zumutung allen anderen Bands gegenüber. Vielleicht war die Jury gar nicht anwesend während dem Auftritt, oder haben die Herrschaften wirklich so wenig Ahnung von Musik. Wenn man das ganze musikalisch betrachtet, fehlte der Band so manche Abwechslung, jeder Song war gleich. Die Gitarre war monoton, das Schlagzeug eilte den andern Darbietungen hinter her und der Gesang inkl. Lyrik war ein Zustand! Lyrik-Ausschnitt: „Ich bin eine Meerjungfrau – mein Haar ist schwarz – mein Schwanz ist blau“, das gibt einen zu denken oder? E es war auch das einzige, das ich verstanden habe, dann ging alles Japanisch oder Französisch weiter, oder was es doch Deutsch – weiß nicht. Über die Bühnendarbietung braucht man auch nicht viel sagen, ich war mir auch nicht sicher ob alle Musiker das gleich Lied zur gleich Zeit gespielt haben, weil auch das Ankündigen des nächsten Songs stellte sich als Problem dar – Jury, erster Platz – Danke!
White Torture – Albtraum O.S.T. Review (01.2007, radiodrone.ru)
White Torture – сайд-проект австрийского музыканта Даниэля Ямрича (Daniel Jamritsch), до этого реализовавшего основной свой творческий потенциал в industrial metal группе Projekt Furche. Где-то в районе весны прошлого года у австрийца произошло раздвоение личности, в результате чего новоявленное «я» музыканта, получившее имя White Torture, вознамерилось поэкспериментировать с более жесткой музыкой, а именно с noisecore. И, надо сказать, у него это довольно неплохо получилось.
Ингредиенты Albtraum O.S.T. : с остервенением вгрызающиеся друг в друга механические семплы крупного помола, запинающиеся от перегруза паразитические наслоения шума, радиоголоса, пропущенные через жуткую мясорубку ревербераций и атональный вой клавиш. В анонсе упоминаются еще какие-то камеры, но я не представляю как Ямрич их использовал и какие немыслимые звуки ему удалось из них извлечь. Если позволительно расшифровать O.S.T. как original soundtrack, то лучшим видеорядом для такой музыки послужил бы фильм, построенный на сюрреалистических образах самых мрачных человеконенавистнических снов. 50 минут немилосердного нойзкора, не дающего слушателю практически никаких послаблений. Для любителей экстремальных аудио процедур. Дополнительно стоит отметить тот отрадный факт, что альбом вышел на отечественном сетевом лейбле Clinical Archives, основателем которого является многогранный московский музыкант Александр Лисовский aka Djet.
Die Hermagorer wollen Klagenfurt richtig aufmischen (01.2007, Kleine Zeitung, Stephan Schild)
Projekt Furche zählt zu den harten Bands des Wettbewerbs – Das Projekt Furche wurde Ende 2005 von den drei Hermagorer Gymnasiasten Daniel Jamritsch (18, Gitarre, Keyboard), Florian Finding (18, Gesang) und Patrick Oblasser (19, Bass) gegründet. Bis Herbst 2006 traten sie noch mit der Unterstützung eines Drumcomputers auf, bis Schlagzeuger Michael Podlipnig (16) in die Band aufgenommen wurde. Mit ihrer Mischung aus Blackmetal, Grindcore und Rammstein-Einflüssen, die sie kurzerhand „Hermacore“ nennen, dürften sie zu den härteren Bands des Wettbewerbs zählen. „Ziele haben wir uns seit unserer Gründung eigentlich nicht gesetzt, uns geht es einfach nur an dem Spaß an der Musik“, sagt Jamritsch. Kritik an der Band lässt Jamritsch nicht zu: „Was andere von unserer Musik halten, ist uns eigentlich sowieso komplett egal.“
Projekt Furche – Schmerz Hass Leid Demo Review (2006, www.adl.at / www.stormbringer.at)
Wie bringt man einer jungen Band, die unzählige Stunden Ihrer Freizeit, Herzblut, Schweiß, Engagement und sicherlich auch etliches an schwer verdienten Euros in ihre Musik steckten, schonend bei, dass das mir vorliegende Endergebnis schlicht und ergreifend scheiße ist? Beispiele gefällig? Das mit einem oberpeinlichen Text versehene, irgendwie nach Rammstein für Grenzdebile klingende „Die Meerjungfrauen“ oder das ebenso in diese Kerbe schlagende „Zimtstern“ (rollender geht das „Rrrrr“ nimma – oder?), das absolut ungenießbare, irgendwie an Marschmusik (sic!) erinnernde Death/Gegrinde in „Faszination Folter“, das deathig-groovende „In die Berg bin i gern“, welches gleich 2 x vorkommt und zumindest teilweise hörbar ist, aber spätestens nach den ebenso unsäglich schlechten „Kako tel mi“, sowie „Love and Guts“ (ja, ich hab das Teil per Zufallsgenerator gehört!) hab ich das Teil geistig verschrottet. Jungs, ich ja eigentlich überzeugt, dass dies nichts anderes ist als ein ziemlicher Scherz von Euch, denn wenn ihr das ernst meint, na servas! Für die Hartgesottenen unter Euch, in der Tracklist gibt es den Wegweiser zum Download dieses 23-minütigem Gequäles für Eure Ohren! Ajo, der eine Punkt ist allein für den Mut sowas überhaupt einer doch etwas breiteren Masse zugänglich zu machen!
Projekt Furche – Christofs Eindruck (07.01.06, Christof Ressi, www.borgformation.com)
Das Konzert war exzellent. Es grenzt schon an Genialität, wie sie mit Hilfe der Reduzierung krass entgegenstehender Haltungen, wie Respektlosigkeit, Grobheit und Schamlosigkeit zu einem Musikhappening, das derzeit grassierende Ballfieber und die damit verbundene Eleganz, die Etikette und das Ambiente karikieren und bloßstellen. Es steckt also weit mehr dahinter als bloße Provokation, die aber ein zweifelsohne ein essentielles und wirkungsvolles Mittel zur Vermittlung ihrer Botschaft ist. Bild, Wort und Ton vereinen sich zu einem unterhaltsamen aber gehaltenvollen Stück Aktionskunst. Gerade der klare Kontrast zwischen Florian Findings emotionaler und expressiver Gestik und Mimik und Patrick Oblassers reduziertes, fast vorsätzlich spärliches Mienenspiel, bringen die Wiedersprüchlichkeit der Musik zum Ausdruck. Das solide Basspiel, sowie das manchmal stürmische, manchmal fast lyrische Gitarrenspiel überzeugen. Eingebettet wird das Spiel der Instrumente durch Schlagwerk und minimalistische Klangflächen- und strukturen aus dem Computer. Die Krönung ist aber unbestritten Florian Findings emotionaler und facettenreicher Gesang. Vorallem die sichere Höhe und der klangvolle Bass lassen einen in Entzückung geraten. Bemerkenswert sind auch die in der Höhe bravourös gemeisterten Koloraturen. Abgerundet wurde dieses einmalige Musikerlebnis durch ein wirkungsvolles Pfeifen und Summen aus der Anlage. Das Publikum war begeistert, man darf auf mehr hoffen. (www.borgformation.com)
Projekt Furche so wie ich es sehe (23.01.06, Zilge, www.borgformation.com)
Projekt Furche fordert eine metaphorische Kritik rund um den Bandnamen geradezu heraus. Bitteschön, hier ist sie:
Hobbykicker kennen das: Schnell für ein Turnier angemeldet, nicht so wirklich trainiert und auch keine Spielpraxis. Dabei sein ist alles und der Torwart kann ja auch mal im Sturm spielen. Schweiß und Bier statt Spielkultur, Lactatwerte und Kohlehydrate. Da spielt auch nur ihr imaginärer Schlagzeuger Hansjörg auf seiner angestammten Position. Die Trainingsphase war kurz. Heraus gekommen ist Ruck-Zuck-Fußball mit Drang nach vorne und eher augenzwinkerndem Ehrgeiz. Dazwischen gibt es auch unschöne Szenen. Aber Spaß macht’s trotzdem. Ok,ok- vielleicht ein bisschen zu viel inspiriert vom ärgerlichen Heimspiel Udine gegen Roma(1:4), das ich mir am Sonntag in Udine angeschaut habe, hier noch eine 2.Version:Projekt Furche braucht nicht viel. Mitunter reichen wenige Wörter für einen ganzen Song: let“s fuck – und schon weiß man, was sie von ihren Mitbürgern halten. Jeder Song offenbart nach wenigen Takten: Das ist Projekt Furche. Typisch und absolut unverwechselbar kommen sie ohne lange Intros sofort zur Sache. Die drei+zwei Bübelchen stehen chronologisch zwar in der langen Reihe hinter gods of metal, borgformation, fank 4 und Co., punkten aber mit jugendlichem Drang nach vorne. Lead-Sänger Florian Finding -liebevoll Floki genannt-und seine 2 Backgroundsänger überraschen mit ihren kraftvollen Stimmen, die nicht darauf schließen lassen, dass die Buben erst um die 18 Jahre alt sind und mehr oder weniger ein postpubertäres Problem haben. Hätten die Jungs 11 oder 12 schwächere Songs einfach weggelassen (z.B. kako tel imi,love and guts,Zimtstern….“), wäre ihr Debüt unglaublich. So ist es nahezu unglaublich und man kann sich bei „Identisch“ und „In die Berg bin i gern“ fragen, woher dieses Verständnis für perfekten psychodelic metal oder death metal oder…(wos is dos eigentlich?) wohl kommt. Wahrscheinlich doch Gailtaler Muttermilch. Bei dieser Band regieren keine Special FX, kurze Röckchen oder tätowierte Muskelpakete: Jede Note bekommt hier den Raum, den sie zur vollen Klangentfaltung braucht. Und da ist noch noch die Gänsehaut-Ballade „Die arme Erde“mit den ganz eigentümlichen Harmonien und dieser leicht phaserverfremdeten Gesangsstimme, die einem ganz warm ums Herz werden lassen. Findings Stimme rinnt runter wie ein Weißer G’spritzter, zuckersüß und herzerweichend erzählt er eine Geschichte unseres Planeten. Das Songmaterial wurde glücklicherweise besonders zart und liebevoll behandelt, die karge Instrumentierung lässt dabei Flokis Seelenkehlchen in verzauberndster Weise atmen. Nur tiefschürfende Textweisheiten wird man bei Projekt Furche vergebens suchen – aber wer denkt in dieser Zeit schon gerne über das Leben, das Universum und den ganzen Rest nach? Aber bevor ich noch so einen geistigen Orgasmus wie Stofl bekomme, halte ich es lieber mit Demokrits Worten“Die Wahrheit soll man sagen und dabei nicht viel Worte machen“. Deshalb jetzt für mich die einzig wahre 3.Version: Gute Bands haben zwei Geheimnisse.Eines,das sie für sich behalten, und eines, das sie dem Zuhörer offenbaren….und an dieser Band „Projekt Furche“ liebe ich das erste Geheimnis. Nur das erste Geheimnis!
Retten wir den ORF – mit Bildung!
Über Österreichs Medienkultur lässt sich ja bekanntlich streiten. Da gibt es einerseits die Kronen Zeitung, die offen rassistische Hetze betreibt und mit einer Reichweite von täglich rund 44 Prozent trotzdem (oder im schlimmsten Fall – gerade deswegen?) die meistgelesene Tageszeitung Österreichs ist; über den Zusammenhang zwischen Medien und Gesellschaft wird die sg. „Reflexhypothese“ untermauert, die davon ausgeht, dass jede Gesellschaft die Medien hat, die sie verdient; dann ist da zweitens das leidige Thema des von Parteipolitik dominierten ORF-Stiftungsrates – dem Gremium, das immerhin den Generaldirektor wählt; spätestens, wenn man sich den aktuellen „Kampf“ um die Wahl des ORF-Generals, der unter starker Einwirkung der etablierten Parteien SPÖ, OVP und FPÖ öffentlich stattfindet, ansieht, kann man unter Berücksichtigung der Geschichte des ORF nur zu dem Schluss kommen: der ORF kann sich unter diesen Machtstrukturen und -einflüssen von außen schlicht nicht wehren und daraus resultierend seine Programm- und Bildungsaufträge nicht ideal umsetzen. Und darum muss Hilfe von außen kommen. „Hilfe von außen“ allerdings nicht in Form eines RTL-Bosses Zeiler, oder in Form einer Privatisierung, sondern in Form der Menschen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (mit-)finanzieren, und die vom ORF v.a. kulturell und gesellschaftlich profitieren (sollten), nämlich den in Österreich lebenden ORF-SeherInnen und -HörerInnen.
Nun gibt es bereits seit 2006 die Bürgerinitiative „SOS-ORF“, die sich den strukturellen Problemen des ORF annimmt und nach Lösungsvorschlägen sucht. Allerdings könnte man meinen, die Vorschläge dieser Initiative seien trotz namhafter UnterstützerInnen wie Alfred Dorfer, Elfriede Jelinek, Michael Köhlmaier oder Peter Turrini bislang kaum berücksichtigt worden, denn noch immer hat der ORF heute – 2011 – im Vergleich zum Gründungsjahr von „SOS-ORF“ 2006, die gleichen Probleme mit den parteipolitischen Fädenziehern im Hintergrund. Daher mein Lösungsvorschlag zur Verschönerung der österreichischen Medienlandschaft:
In Österreich ist die pädagogische Auseinandersetzung mit Medien an den Pflichtschulen ein absolut nötiges Kriterium zur Änderung der unausgewogenen Verhältnisse innerhalb der österreichischen Medienlandschaft und also auch innerhalb der österreichischen Politik und Gesellschaft selbst. Wenn Kindern und Jugendlichen in Schulen die Relevanz von Medien im Informationszeitalter nähergebracht wird, entwickeln diese neben einer kritischeren Auseinandersetzung mit den Medieninhalten – und daraus resultierend eine Resistenz gegen jegliche Form der Propaganda seitens verantwortungsloser MedienakteurInnen – ebenfalls ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Medien-, Politik- und Gesellschaftssystem selbst.
Gerade öffentlich-rechtliche Medien sind dann langfristig und idealerweise nicht mehr Mittel zur Macht einiger aristokratisch veranlagten MedienakteurInnen, sondern das, was sie eigentlich sein sollen: Grundversorger von ausgewogenen Inhalten an die breite Bevölkerung, die ihre individuellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Medienfunktionen erfüllen und aber auch – und das ist der eigentliche Punkt – Partizipation seitens der Bevölkerung voraussetzen. Mein Beitrag ist daher ein Plädoyer für ein verstärktes medienpädagogisches Engagement an österreichischen Pflichtschulen. Die Bevölkerung sollte meiner Meinung nach, gleich wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk wieder politischer werden. Aber eben nicht im Sinne von „parteipolitisch“. Und das geht in erster Linie durch Information ÜBER Information. Retten wir den ORF. Mit Bildung.
dj
Anm.: zu Partizipation in der Medienlandschaft siehe außerdem Bertolt Brechts Radiotheorie.
Zu: “Die heilige Johanna der Schlachthöfe” im Burgtheater
Um den Plan Matthias Hartmanns, das Kinder- und Jugendtheater in Wien zu forcieren, brauchen sich die Freunde des Burgtheaters keine Sorgen zu machen: zahllose Theaterworkshop-Angebote für den jungen Nachwuchs, die emanzipatorischen Inszenierungen Adam Geist, Struwwelpeter, Bonnie und Clyde oder Pazival/Shortcut, Der Zauberer von Oz, Rasmus, Pontus und der Schwertschlucker, und schließlich das brecht’sche Lehrstück schlechthin: Die heilige Johanna der Schlachthöfe – allein der Spielplan spricht in dieser Causa für sich. Und dieser Plan der nachhaltigen Theaterarbeit wird durch die simple Einsicht, dass die Kinder von heute die Erwachsenen von morgen sind, aufgehen. Hartmann löst aber nicht nur die einschüchternde Vorstellung des Theaters als elitär-intellektuellen Raum auf, sondern macht einen wichtigen Schritt in die Richtung – und das nicht zuletzt mit den Burg in Concert-Veranstaltungsreihe – diesen Raum wieder in das Instrument der Partizipation, in einen gemeinschaftlichen, politisch relevanten Ort der Zukunft umzugestalten.
Die Inszenierung von Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Regie: Michael Thalheimer) ist denkbar simpel, mit einigen Abstrichen. Brechts Textvorlage, leicht gekürzt, ein Durchsteher-Bühnenbild mit einem Fleischpendel, ein festgefrorener Arbeiterchor, minimalistische und unnötig laute Klangwolken (Bert Wrede), und tatsächlich viel mehr Politik als politisches Theater, um den pazifistischen Klassenkampf wieder bewusst aufzuwerten und zu verbreiten. Und allein anhand des Wissens, wie ein solcher eben nicht funktioniert, die Möglichkeit aufzuzeigen, wie der Klassenkampf schließlich doch erfolgreich überwunden werden könnte. Mit dem erhobenen, lehrerhaften Zeigefinger hat man in der Burgtheater-Inszenierung auch nicht gespart, womöglich anhand des Glaubens der Regie, das heutige Theaterpublikum hätte diesen mehr als nur nötig – womit man gar nicht falsch läge.
Das Fleisch, das mit auf das Bühnenbild gebeamten Visualisationen aus in millisekundenschnell sich verändernden Aktienwerten geupdatet wird, ist das Zentrum des Krieges zwischen Oben und Unten. Das einzige Licht, das sich auf die Arbeitermasse wirft, sind diese weißen Zahlen auf schwarzem Hintergrund. Die Schnelligkeit der Veränderungen der Aktienwerte lässt die Arbeiter in ihrer Aktionsfähigkeit erstarren. Zu undurchblickbar sind die Mechanismen des Marktes geworden, als dass gegen sie angekämpft werden könnte. Sarah Viktoria Frick spielt auf liebenswürdige Weise die Kriegerin Gottes, und als dass Kritik an Politik und Wirtschaft nicht genügten, stirbt Johanna letzlich auch an ihrer absoluten und unumkehrbaren Güte und Naivität – der Überzeugung zu ihrem Glauben an Gott. Sarah Viktoria Frick spielt in prägender Weise ihre zwei Rollen: die eine der guten, christlichen Helferin für Menschen in Not, und die andere als das nützliche Instrument der Kapitalisten. Das ist letztlich auch die Rolle der Kirche. Höhepunkt der Inszenierung ist der geisteskranke Mauler, gespielt von Tilo Nest. Er ist der Inbegriff des Kapitalisten, so tief menschlich und emotional als auch scham- und rücksichtslos. In seinem Größenwahn spendet er der heiligen Johanna schließlich ihren guten Platz in der Geschichte – und rühmt sich daran wiederum selbst als Wohltäter. Alles scheint gut. Doch am Ende des Stückes versinkt die Bühne in Nullen, die in das Publikum schießen.
Also scheinbar ein weiteres, intrigenreiches Spiel über das Vorgehen am Markt. Kritisiert wurde bereits der lehrerhafte Zeigefinger, der offenbar marxistische Agitprop der Burgtheater-Inszenierung von Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Doch es wäre eben nur ein weiteres, intrigenreichts Spiel über Wirtschaftskrisen, wenn da nicht der Mut wäre, über die Grenzen der Kühlheit der naturalistischen Darstellungen hinauszuschießen und anhand klarer Statements wieder Orientierung zu schaffen. Brechts Auffassung von Theater ist eine ausschließlich politische: Hier muss Politik gemacht werden, nicht Kunst. Und auch wenn die Inszenierung teilweise langatmig und breit scheint: jede Minute davon ist es wert. Ein besseres Lehrstück, besseres Jugendtheater findet man kaum. Das Burgtheater wird (wieder) jung! Danke!
dj, 2011
Zu: “Richard II.” im Burgtheater
Im aktuellen politischen Kontext passt die neubesetzte Peymann-Inszenierung des Shakespeare-Historiendramas Richard II. im Burgtheater ja wie die Faust aufs Auge. Das Vorzeigeportrait über Anbiederung, gleichgewichtsgestörte Machtverhältnisse, Freunderlwirtschaft und politische Korruption im alten England trifft aber nicht nur den Nagel auf den Kopf totalitärer Systeme. Denn auch und gerade heute sieht man sich alleine durch Medienberichterstattungen immer öfter mit politischer Korruption innerhalb als auch außerhalb der Demokratie Österreich konfrontiert. Wohlgemerkt: Österreich schneidet in internationalen Rankings zum Thema Korruption sogar sehr gut ab. Letzte (tatkische) Korruption im großen Ausmaß, für die die österreichische Politik zu verantworten ist, war der verspätete Beschluss des Budgets für das Jahr 2011, der definitiv einen Bruch der Bundesverfassung bedeutet. Und überdies hätte das Parlament laut Verfassung die Säumigkeit der Bundesegierung mit einem eigenen Budgetentwurf kompensieren müssen, was natürlich nicht geschah. Also gar Korruption zum Quadrat. Gleicher anti-verfassungsrechtlicher Sachverhalt gilt nach wie vor bei den zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten, denn laut Verfassungsgerichtshof müsste es jene Ortstafeln schon seit Jahrzehnten geben. Vertreter der rechten Politik und haider’schen Landesregierung Kärntens haben gegen die Verfassung Österreichs gehandelt, aus der Sicht der Bundesregierung wurde dagegen aber nicht sehr viel unternommen. Die Kärntner Journalistin Anneliese Rohrer nennt diese politische Haltung als Teil der Na-Geh-Republik. Die sich an der Grenze zur Illegalität befindende Machtergreifung der Blauen in Kärnten 2009 fügt sich hingegen ganz klar in das traditionelle Schema der Korruption und könnte ebenso gut wie Richard II. seinen Weg auf das vor Verzerrung geradezu strotzender Bühne des Burgtheaters finden.
Das Bühnenbild der 2000-Inszenierung von Richard II., das mit der perspektivischen Verzerrung die Sichtweise des Tunnelblicks an das Publikum vorgibt, ist nicht zuletzt eine Feststellung der relativen Unbeweglichkeit des von Korruption beeinträchtigten Politikverständnisses eines großten Teiles der Bevölkerung. Auf dem spartanisch ausgestatteten Bühnenbild, das politische Propaganda mit der Gutgläubigkeit und eingeschränkten Sichtweise der Normalverbraucher-Gesellschaft fusioniert, passiert also der Sturz von Richard II. durch Bolingbroke, der aus dem von Richard II. angeordneten Exil frühzeitig zurückkehrt und Richards Abwesenheit (er befindet sich in Irland, um gegen Revolutionäre anzukämpfen) nutzt, um sich indes eine eigene Gefolgschaft aufzubauen. Der Bevölkerung die Treue an einen schwachen, selbstgefälligen und genusssüchtigen König abzuverlangen, wäre ohnehin zu viel verlangt, dass diese sich aber gleich darauf an dem nächsten unfähigen Herrscher vergeht, ist Teil der von Shakespeare skizzierten Misere und folglich eine berechtigte Gesellschaftskritik.
Burgtheater Direktor Matthias Hartmann knüpft mit Richard II. ebenso an den von Stefan Bachmann inszenierten „Lorenzaccio“ von Alfred de Musset an, der also nicht nur politische Unfähigkeiten der Machtträger darstellt und zum Teil karikiert, sondern auch die depressive Haltung, Uneigenständig und Heuchelei deren dekadenter Gefolgschaft und untertanen Gesellschaft. „Mir wärs lieber wenn mein Herz deine Liebe fühlte als dass meine unzufriedenen Augen deine Höflichkeit sehen“, spricht also der kurz vor der Entthronung sich befindende Richard II. zu dem späteren Heinrich dem Vierten. Mit Ehrlichkeit hat auch die heutige politische Landschaft in Österreich nichts zu tun. Heuchlerische Diplomatie, die Gabe, seinem Gegenüber auf so schöne und überzeugende Weise klar zu machen, dass er ein Vollidiot ist, ist das Kommunikationsmodell der herrschenden Klasse. Damals wie heute. Denn wenn in der Öffentlichkeit stehende Personen wie der türkische Botschafter Österreichs urplötzlich die Wahrheit sprechen, die eben nicht den rhetorischen und diplomatischen Standards entsprechen, und auf tabuisierte Tatsachen aufmerksam machen, ist man empört und der Rolle des Politikers nicht würdig.
Michael Maertens in der Rolle Richards, der am Ende von einem von Heinrichs Anhänger getötet wird, und Veit Schubert als Bolingbroke/Heinrich ergänzen als Konträrpunkte einander auf kurzweilige und unterhaltsame Weise und riskieren den ein oder anderen schauspielerischen Schmäh („Mitbürger… und Mitbürgerinnen“) Dorothee Hartinger schwächelt sich als Königin Isabel auch in schauspielerischer Hinsicht durch das Stück. Maria Happel und Johannes Krisch sorgen für Komik im Drama, Markus Meyer spielt auf schön-melancholische Weise den königstreuen Aumerle. Die Inszenierung weißt keine Schwachpunkte auf (Peymann eben) und wird mit einem solchen lauten Applaus und Jubel gewürdigt, dass er beinahe, aber eben nur beinahe, schon wieder heuchlerisch erscheint.
dj, 2010
Zu: „Heldenplatz“ im Theater in der Josefstadt
Tiedemann hat den Burgtheater-Skandal von 1988 für die Josefstadt in einer soliden Inszenierung wieder für österreichisches Publikum zugänglich gemacht. Die „Heldenplatz“-Premiere am 9. September 2010 erhielt einen netten Applaus, vereinzelt Jubel und manch augenzwinkerndes Kichern. Der Wirbel und die Diskussionen von 1988, die in Morddrohungen gegen Bernhard und Peymann gipfelten, werden hier jedoch nicht einmal in kleinstem Ausmaß wieder erreicht werden. Sind die „6,5 Millionen debilen Österreicher“ (Stand 2010: sic!) schlussendlich kritikfähiger, einsichtiger, gelassener geworden? Oder wurde deren Nationalbewusstsein schon nach der Waldheimaffäre dann 1988 erneut so schwer verwundet und anno 2000 mit Schlingensiefs „Ausländer raus“ endgültig zu Grabe getragen?
Eines mag ja wirklich stimmen: Seit dem Burgtheater-“Heldenplatz“ sind nun über zwanzig Jahre vergangen und da kann man sich nun als Zuseher, abseits des Hypes, der die seinerzeitige Inszenierung wohl stark überschattete, auf das wahre Wesen des Stücks konzentrieren – wie es selbst Tiedemann sinngemäß äußerte. Und da fällt sofort eines auf: Nämlich, dass Bernhard absolut kein Österreich-Hasser war, sondern vielmehr das Gegenteil. Es kommt nun stärker der misantrophsche Bernhard zutage als der anti-österreichische Provokateur. Schließlich hat sich auch im Patriotengeist einiges verändert. Und erneut stellt sich in diesem Zusammenhang sofort die Frage, was einen Österreicher als einen solchen definiert. Gerade durch seine Geschichte und vor allem durch die Monarchie als Vielvölkerstaat ist Österreich schon immer ein multinationales Konstrukt gewesen. Der österreichische Nationalismus ist dadurch für den „Heldenplatz“-Stoff per se kein Thema, da geht es ja im Groben auch um etwas anderes: Nazis. Der Hall der NSDAP, der durch Österreich schallt. Und um verlodertes, selbstgerechtes Bürgertum, dem schon längst hören und sehen vergangen ist. Der Mythos, Österreich wäre dem Nationalsozialismus 1938 zum Opfer gefallen, ist spätestens mit der Thematisierung des NS rund um Kurt Waldheims Wahlkampf 1986 kollabiert. Das war der Auslöser für den allmählichen Untergang des österreichischen Nationalismus. Und sowieso: (Alt-)Nazis im Parlament kümmer(te)n sich ja auch viel lieber um die Ostmark als um Österreich. (…)
Der Kapitalismus hat den Nationalismus, wirtschaftlich und politisch, mittlerweile eindeutig abgelöst. Oködarwinismus schafft Sozialdarwinismus. Die Globalisierung ist weit vorangeschritten in den letzten Jahren, und nur wer diesen politischen Vorgang heute noch immer nicht akzeptieren kann, ist eben Mitglied der FPÖ oder der NVP. Nationalismus ist in der fortgeschrittenen Globalisierungsphase kein Thema mehr – und das bezieht sich vor allem auf Österreich als Einwanderungsland. Auch Straches Show hat mit klassischem Nationalismus nichts zu tun, vielmehr wird hier Nationalismus zu populistischen und agitatorischen Zwecken gebraucht, natürlich nicht erwähnenswert, dass dies Zwecke wiederum rein kapitalistischer Natur sind (ähnlich auch der Fall Thilo Sarrazin, Deutschland) Einzig und alleine zu bedauern ist es demnach, dass einige Menschen noch immer darauf hereinfallen und sich die Parteienlandschaft in Österreich nicht weiterentwickelt.
Zurück zum „Heldenplatz“: Was in der Josefstadt präsentiert wird, ist also Geschichte in der Geschichte. Offenbar weiß man auch auf der Bühne, dass man mit dem Stolz des österreichischen Publikums nicht mehr spielen kann und das schlichtweg darum, weil es diesen einfach nicht (mehr) gibt. Unter diesem Blickwinkel betrachtet scheint allerdings immer wieder bereits erwähnte versteckte Liebe Bernhards zu Österreich durch: Nie wird der Staat selbst verunglimpft oder durch den Dreck gezogen, dafür umso mehr bedauert, was er mit seinem Volk durchzumachen habe: „Bitte liebt Österreich“, scheint die Devise Bernhards gewesen zu sein, wie sie auch Schlingensief bei den Wiener Festwochen 2000, im Kontext der Container-Aktion natürlich eher zynisch, proklamiert hatte. Dass aber jenes Österreich der Ära Schuschnigg/Dollfuß den Antisemitismus eben in dem Ausmaß gestärkt hat, dass der Holocaust überhaupt zustande kommen konnte, dass Antisemitismus bereits in der Monarchie allgegenwärtig war und nicht erst mit dem NS erschaffen wurde, darauf scheint Bernhard in allzu betonter Nostalgie, die in „Heldenplatz“ immer wieder durchscheint, nicht gedacht haben zu wollen. Ebenso wenig, dass Antisemitismus in der Zeitleiste nicht einfach abgehackt werden kann – so bedauerlich das auch ist – sondern gar bis heute viel Resistenz zeigen konnte.
Bei der „Heldenplatz“-Premiere im Theater in der Josefstadt anwesend war auch Bundespräsident Heinz Fischer. Abgesehen davon, dass Bernhard generelles Aufführungsverbot seiner Werke innerhalb der Grenzen Österreichs erteilt hatte, mag es wohl auch sein besonderer Wunsch gewesen sein, niemals je einen österreichischen Politiker von Rang in seinen Aufführungen sitzen zu haben.
PS: Besonders brilliant besetzt ist die Rolle der Witwe Hedwig mit Gertraud Jesserer.
dj, 2010
Ein Trauerspiel, diese Gedenkkultur (24.07.2011)
Amy Winehouse ist tot. Jeder 3. Eintrag auf Facebook hat ein “R.I.P. Amy Winehouse” oder Links zu einem ihrer Songs zum Inhalt. Das regt natürlich auf. Gerade angesichts der zahlreichen Toten (mindestens 92), die bei den beiden Massakern in Oslo und Utöya ihr Leben lassen mussten, deren Angehörigen allerdings noch lange nicht so viel Mitgefühl ausgesprochen wird wie der besagten Sängerin. Trotzdem finden sich vereinzelt Facebook-Einträge, die ein Mitempfinden für Norwegen sichtbar werden lassen und den Winehouse-Wahn kritisieren, wie z.B.: “Mein Mitleid gehört den 85 (Anm.: die Zahlen werden nach wie vor nach oben korrigiert) Leute und deren Familien und Freunden in Norwegen, die sicher noch nicht sterben wollten, aber die Wahl nicht selber treffen konnten!”
Schön und gut. Dazu muss allerdings noch ein Aspekt vorweggenommen werden: Nicht nur Boulevardmedien lassen die antiarabische bzw. antiislamische Propagandamaschine bereits wenige Minuten nach dem Anschlag auf das Regierungsviertel in Oslo anlaufen und denunzieren arabische PartisanInnengruppen öffentlich als Terrororganisationen. Internationale “Terrorexperten” nützen sensationslüsternde Medien für ihre politischen Zwecke und machen “islamistische Gruppen mit Verbindungen zur Al Kaida” zu den TäterInnen der Massaker in Norwegen. Der Hass und das europäische Unverständnis gegenüber dem arabischen Widerstandskampf wächst und wächst. Der Trick rassistischer MedienmacherInnen liegt darin, eine Lüge so oft zu wiederholen, bis sie zur Wahrheit wird. Zwei Tage später wissen wir es besser: Ein norwegischer Antikommunist und Antiislamist, der sich selbst als christlich-konservativ beschreibt, ist verantwortlich für die grausamen Anschläge. Doch die Vermutungen über arabische Gruppen als Tätergruppe bleiben im kollektiven europäischen Gedächtnis verhackt.
Nicht zu leugnen ist darum auch die relativ starke Solidarität mit den Opfern der Anschläge in Norwegen aufgrund der starken antiarabischen Tendenzen, die in der Zeit der Ermittlungen, in denen zuallererst – wie auch in diesem Fall – unbegründet Vermutungen über die Täterschaft, unter dem Motto “Der Muslim wars” (sh. Der Standard, 23. Juli 2011) ausgekostet werden. Die Medien haben “den Araber” bzw. “den Moslem” als Bedrohung und Aggressor in das Gedächtnis Europas gebrannt und stärken so bewusst die innereuropäische Solidarität über den Weg eines gemeinsamen Feindes.
Unterdessen geht aus dem politischen Manifest des Täters Anders Berhing B. eine Affinität zum Rechtsextremismus und Zionismus hervor (sh. Die Rote Fahne, 24. Juli 2011). Dem Täter wird in den Medien plötzlich trotz aller Grausamkeit der Anschläge ein gewisses Verständnis für die Tat entgegengebracht, sein Massaker wird durch das Zeichnen eines für den Otto-Normalverbraucher nachvollziehbaren Psychogramms des Täters bagatellisiert und der Mann wird z.T. bereits zum Märtyrer und Kämpfer eines neuen Europa stilisiert. Trotz aller Grausamkeit sei er demzufolge ein kämpferischer, ehrwürdiger Mann.
Damit legt sich die europäische Anteilnahme für die Opfer und deren Angehörigen auch langsam wieder und darüber hinaus wird es den meisten EuropäerInnen auch weiterhin egal sein, wieviele Massaker z.B. die israelische Regierung an ihren arabischen Nachbarn weiterhin ausübt. Wir konzentrieren uns lieber auf Amy Winehouse. Ein Trauerspiel, diese Gedenkkultur.
dj, 2011
